Freie Presse: Abschiebung gut integrierter Familie sorgt in Sachsen für Ärger

Mitten in der Nacht werden Ilona und Ilia Imerlishvili samt ihrer sieben Kinder wachgeklingelt und nach Georgien abgeschoben. Diese Praxis ist kein Einzelfall im Freistaat – und bringt die Regierungskoalition in Streit.

08.07.2021 Nina Jeglinski

Mitten in der Nacht werden Ilona und Ilia Imerlishvili samt ihrer sieben Kinder wachgeklingelt und nach Georgien abgeschoben. Diese Praxis ist kein Einzelfall im Freistaat – und bringt die Regierungskoalition in Streit.

Pirna/Dresden.

Es sind verstörende Szenen: Zwei Jungen im Grundschulalter sitzen auf einer Wolldecke auf dem Fußboden, der Ältere erzählt, dass seine neunköpfige Familie mitten in der Nacht von der Polizei wachgeklingelt und innerhalb weniger Stunden von Pirna nach Georgien abgeschoben wurde. Die Familie wurde aufgefordert, nur das Nötigste einzupacken, in letzter Minute konnten die 20 Einsatzkräfte den Vater daran hindern, aus dem Fenster zu springen; die Kinder bekamen mit, wie die Polizei ihn in Zwangsjacke abführte.

Das ist nun einen Monat her, seitdem ist für Familie Imerlishvili nichts mehr, wie es war. Acht Jahre lang haben Ilona und Ilia mit ihren sieben Kindern in Pirna gelebt, die jüngsten fünf sind in Deutschland geboren. Die Familie galt als perfekt integriert: Beide Eltern hatten Arbeit, die Kinder gingen in die Schule oder den Kindergarten. Tochter Lika besuchte in Pirna das Gymnasium, ihre Videos werden in den sozialen Medien hunderttausendfach gesehen.

Frank Richter, Experte für Innenpolitik der SPD-Landtagsfraktion: “Die aktuelle Abschiebepraxis der sächsischen Behörden versetzt dem Leben von hier gut integrierten Menschen schwere Schläge. Die Traumatisierung von zum Teil kleinen Kindern wird hemmungslos in Kauf genommen. Ich war bisher davon überzeugt, dass das Handeln deutscher Behörden dem Prinzip der Mitmenschlichkeit verpflichtet ist. Diese Überzeugung ist schwer beschädigt.” Noch weiter geht der Verein AG-Asylsuchende in Pirna. Christina Riebesecker hält die Abschiebung für rechtswidrig: “Laut Bundesgesetz darf es überhaupt keine nächtlichen Abschiebungen geben, wenn Kinder dabei sind, doch Sachsen bemüht in diesem Fall Landesrecht”, sagt sie. Zudem hätten die Behörden in Sachsen einen weiteren Antrag der Familie gegen die Abschiebung noch nicht entschieden.

Der Verein und Nachbarn der Imerlishvilis wollen dem Landrat am 14. Juli eine Petition überreichen, 17.000 Unterschriften wurden gesammelt, damit die Familie wieder nach Pirna zurückkehrt. Eine Wohnung stehe bereit, die Arbeitgeber wollen Ilona und Ilia wieder einstellen.

Den gesamten Artikel (FP +) finden Sie hier

1 Kommentar zu „Freie Presse: Abschiebung gut integrierter Familie sorgt in Sachsen für Ärger“

  1. Allein, wenn ich denke, dass Deutschland veraltet und zu wenig Kinder geboren wurden, sollte man diese traurige Nachricht nochmals wohlwollend prüfen. Sicher gibt es noch andere Fakten, die für ein Verbleiben in Deutschland sprechen. Ich hoffe nicht, dass rechtslastige Verhältnisse eine Rolle gespielt haben.

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