Freie Presse: Umdenken notwendig

Kommentar von Nina Jeglinksi am 27.07.2021

Zum Umgang mit geduldeten Asylbewerbern

Seit Jahren sucht dieses Land händeringend Arbeitskräfte für die Berufsgruppen in der Pflege und in den Dienstleistungen. Es werden Debatten darüber geführt, dass es zu wenig junge Menschen, fehlende Familien mit Kindern und zu viel Abwanderung vor allem aus dem ländlichen Raum gibt. Der Bund und die Länder haben vor drei Jahren mit großer Mühe erste Programme dazu entwickelt, wie man Menschen aus anderen Ländern dazu gewinnen kann, dort anzupacken und zu siedeln, wo der Bedarf so groß ist.

Mit Programmen wie dem Spurwechsel können aus Asylbewerbern Einwanderer werden. Auch wenn die Hürden hoch sind, kommt dieses Modell in Fahrt. Und wenigstens einige der vielen Menschen, die fünf oder sechs, teilweise auch noch mehr Jahre als Asylbewerber in Deutschland leben, hier aber nur geduldet sind, faktisch jeden Tag mit einer Ausweisung rechnen müssen, erhalten die Möglichkeit, dauerhaft zu bleiben. Wenn sie einer regelmäßigen Arbeit nachgehen, die Sprache beherrschen, private Bindungen in ihrem sozialen Umfeld geknüpft haben. In Sachsen scheint das die Regierungspartei CDU und einige Behörden bisher wenig zu interessieren. Anstatt gut integrierte Familien, in denen beide Elternteile arbeiten und alle Kinder in die Kita oder in die Schule gehen, eine dauerhafte Bleibeperspektive zu bieten, schiebt der Freistaat diese Menschen ab. Um zu prüfen, ob Anträge genehmigt oder abgelehnt werden, lassen sich die Behörden indes oft Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte Zeit.

Während es in anderen Bundesländern – auch in ostdeutschen wie Thüringen und Brandenburg – längst ein Umdenken im Umgang mit lange im Land lebenden Menschen gegeben hat, lässt sich Sachsen damit weiter Zeit.

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