Sächsische So lief die Rückkehr der Imerlishvilis nach Deutschland

18.08.2021 Franziska Klemenz

Vor fünf Tagen hat ein Gericht beschlossen, dass die Abschiebung aus Pirna nicht rechtens war. Nun ist die Familie aus Georgien zurück – aber nicht vollzählig.

Familie Imerlishvili ist wieder zurück in Deutschland.

Norair „Noro“ Martirosov wird heute Mittag nicht wie sonst als Küchenchef Lasagne kochen. An diesem Mittwoch hat er eine andere Mission. Er holt seine Familie heim. 69 Tage ist es her, dass die Polizei Ilona und Ilya Imerlishvili mit ihren sieben Kindern nachts geweckt und abgeschoben hat. Der Großteil der Familie darf jetzt aus Georgien zurückkehren.

Als der weiße Kleinbus gegen 9 Uhr in Pirna los fährt, sitzt Noro noch allein hinter dem Fahrer. Es ist ein Freudentag und doch ein getrübter. Sein Schwiegersohn Ilya und die jüngste Enkelin Lisa müssen in Georgien bleiben. Ihre obligatorischen Corona-Tests vor dem Abflug waren positiv.

Monatelang hat die Familie in Georgien darum gebangt, ob sie in ihr altes Leben zurückkehren darf. Nacht acht Jahren, die sie in Pirna gelebt hatten, haben sächsische Ausländerbehörden nichts darauf hindeuten lassen, dass sie ihre Entscheidung rückgängig machen könnten, argumentierten, dass sie Recht und Gesetz durchgesetzt hätten. Sie täuschten sich. Vergangenen Freitag beschloss das Oberverwaltungsgericht Bautzen per Eilverfahren, dass die Familie nicht hätte abgeschoben werden dürfen.

Fassaden aus Glas, Stahl und Beton umgeben sandfarbene Böden mit dunkelgrauen Linien. Berlins neuer Flughafen BER gibt sich alle Mühe, nüchtern zu wirken. An diesem Vormittag schafft er es nicht. Es ist 11.20 Uhr, als auf einer Tafel voller Zeilen und Lettern das Wort „gelandet“ hinter Tiflis erscheint. Die „Georgian Airways“-Maschine ist nach knapp vier Stunden angekommen.

Seine Enkel fallen Noro um den Hals

Noro harrt im Ankunftsbereich aus. Er hat sich chic gemacht, trägt Goldringe zu dunkelblauem Hemd. Der 51-Jährige umklammert die eine Hand mit der anderen, schüttelt den Kopf, zuckt mit den Schultern. Brandenburger Senioren rollen Schalentrolleys an goldenen Werbe-Autos vorbei, eine Frau mit fuchsienfarbenem Blazer und Hochsteckfrisur hält ein Namensschild in die Luft. An Noro rauscht all das vorbei. Sein Blick fixiert die halbdurchsichtige Tür, die im Sekundentakt Menschen ausspuckt. Mütter mit Hornissen-Sonnenbrillen, Berliner Hipster-Girls mit kurzen Tops.

Noros Handy klingelt. „Es gibt Problem“, sagt seine Tochter. „Ich hatte gerade Angst, aber jetzt sagen sie, dass sie uns unsere Pässe wiedergeben.“ Erst Anfang dieser Woche hat die Landesdirektion Sachsen das Betretungsverbot der Familie für Deutschland aufheben lassen. Offenbar gab es trotzdem Unstimmigkeiten. Die Familie musste ihre Pässe vorerst abgeben, mitkommen, ist über einen anderen Weg nach draußen gekommen.

Noro hastet vor die Tür, vorbei an Taxis, Bussen, grauen Säulen. Dann breitet er die Arme aus. „Opa!“, hallt es ihm entgegen. Sechs Enkel springen nacheinander auf seinen Arm. Er kniet auf dem Boden, von seinem Kopf ist fast nichts mehr zu sehen, zwölf Kinderarme umschlingen ihren Opa. Halb lächelnd und halb weinend folgt ihnen ihre Mutter. Noro steht auf, seine Tochter fällt ihm um den Hals.

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