Wir haben gewonnen!

Am Montag, 08.11.2021 wurde uns ein Hauptpreis des Sächsischen Förderpreis für Demokratie verliehen!

Wir freuen uns und gratulieren allen weiteren Gewinner:innen, das waren alles großartige Projekte!

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Beitrag des MDR >>

Und doch…ein Unbehagen bleibt….Hier die Gedanken von C.R. AG Asylsuchende SOE e.V. dazu:

Grüße von Familie Imerlishvili: Wir könnten nur nochmal DANKE sagen. Aber wir haben noch keine Sicherheit, die Angst bleibt. Bitte bleibt bei uns bis zum Ende, bis alles geklärt ist.

Danke an die Familie!

Ohne ihre immense Kraft und ihr Vertrauen in uns, wäre ihre Rückkehr nie gelungen – und damit verdanken wir ihr auch eine so wichtige Diskussion in Sachsen, die hoffentlich weiter geht und konkrete Veränderungen schafft. Ich wünschte mir so sehr, dass wir als Gesellschaft notwendige Erkenntnisse und Veränderungen nicht schon wieder und nicht immer auf den Rücken und zu Lasten von diskriminierten Menschen, erhalten würden.

Motivation der Nachbar:innen

  • in 1. Linie, die Familie zurück zu holen.
  • 2. , auf die Ungerechtigkeit und Unfähigkeit der Behörden aufmerksam machen.
  • Wir wollten doch einfach nur helfen.
  • Wir hätten nie gedacht, dass das so groß werden wird – aber auch so groß werden muss?

Als Hindernisse beschreibt z.B Isabel S:

keine Behörde wollte/will Verantwortung übernehmen, jeder schiebt die Verantwortlichkeit der jeweils anderen Behörde zu. Den Menschen, werden ewig nur Steine in den Weg gelegt, obwohl sie teilweise ganz klar eine reelle Aussicht auf dauerhaften Aufenthalt haben.

Ja, es Nachbar:innen anfangs überrascht und überhaupt alle, die bisher nur wenig oder keine Berührungspunkte mit der sächsischen Abschiebepolitik haben: Abschiebungen bedeuten letztlich ein brutales aus-dem-Leben-reißen – und dass Verantwortliche hierin keinen Fehler, nichts Falsches sehen, sondern das schon so seine Richtigkeit hätte.

Ein konkretes Hindernis war aus meiner Sicht, kurz gesagt die sächsische CDU. Die verantwortlichen Behörden, Landratsamt, Landesdirektion, Innenministerium sind CDU geführt. Hier gab es keinerlei Einlenken oder auch nur den Ansatz einer Selbstkritik, möglicherweise Fehler begangen zu haben. Auch die Ausländer- oder Integrationsbeauftragten von Land und Landkreis, ebenfalls CDU, haben nicht unterstützt bzw. ohne die Familie und den Sachverhalt genau zu kennen, diese beschuldigt.

Aber klar ist doch, hier ging es nicht darum, dass die Falschen abgeschoben wurden.

Hier ist etwas ganz grundsätzlich falsch: Denn Abschieben und Ausgrenzen ist die Devise – auf Kosten der Menschen, ihrer Rechte, ihrer Träume. Und darum musste der Protest gegen die Abschiebung der Familie Imerlishvili, ohne dass es die Absicht der Nachbar:innen als Initiator:innen war, ein politischer Protest werden. Weil es eben nicht damit erledigt war, Behörden auf einen offensichtlichen Fehler hinzuweisen, der dann schnell korrigiert wird. Sondern weil diese Abschiebung Normalität der politischen Praxis in Sachsen ist, die es fundamental zu kritisieren und und zu korrigieren gilt!

Die Abschiebung von Familie Imerlishvili hat auch die Integrationslüge aufgezeigt: Integriert euch, dann könnt ihr bleiben!

  1. Abschiebung vor Bleiberecht – das hat in Sachsen Priorität, wie das Handeln der Ausländerbehörden täglich beweist.
  2. Was heißt denn nun Integration? Und wieso entscheiden einige wenige, wie sich viele andere anzupassen haben und wo sie mitentscheiden und mitmachen dürfen?
  3. Integration in was? In diese diskriminierende, ungerechte Gesellschaft? Da sollen alle mitmachen?
  4. Und wenn alle integriert sind, ist das alles gut? Wie ist das dann? Eine Gesellschaft von Leuten, die alle gleich ticken und alle das gleiche machen und wollen?

Aus meiner Sicht geht es nicht darum, für mehr Integration zu sorgen oder für mehr Bleiberecht wegen Integration.

Es braucht Menschen, die sich ihre Teilhabe erkämpfen und die Teilhabebedingungen ändern und mitbestimmen. Und übrigens, die gibt es schon, wir müssten ihnen nur mehr zuhören und Glauben schenken.

Meine Motivation zu unterstützen war der Anruf am frühen Morgen, zu helfen. Und dann hat sich gezeigt, hier passiert was: Das besondere war nicht, dass es eine besonders brutale oder besonders falsche Abschiebung gab – das passiert regelmäßig in Sachsen. Das besondere war, dass es mehr Menschen interessierte und darüber diskutierten, ob das richtig sein könne – und eine überwältigende Mehrheit sagte: Nein, das war nicht in Ordnung!

Das war das Neue. Und ich wünsche mir, dass das die Regel wird.

Ich bin immer noch etwas unsicher über diesen Preis.

Die Familie, die Nachbar:innen und ihre Unterstützer:innen – wir freuen uns. Aber auch etwas verwundert: Wir sind nominiert für den Kampf gegen eine Abschiebung und für das Recht, zurück nachhause kommen zu dürfen. Für das gleiche werden tausende Betroffene und z.T Unterstützende kriminalisiert.

Heute morgen habe ich gelesen, dass Mohammed Jouni das Bundesverdienstkreuz erhält. Herzlichen Glückwunsch!

Er hat unter anderem Jugendliche ohne Grenzen mitgegründet und setzt sich seit Jahrzehnten gegen Abschiebungen, für Bleiberecht und für gleichberechtigte Teilhabe von jungen Geflüchteten ein.

Und in einem Interview mit der taz brachte er mein Unbehagen auf den Punkt, darum möchte ich in hier zitieren:

Es ist ja fast ein bisschen absurd, Menschen zu ehren, die dieser Gesellschaft den Spiegel vorhalten, darauf hinweisen, was hier schiefläuft – und mit dieser Politik dann trotzdem weiterzumachen. Wir leben in einem Staat, der abschiebt, der strukturelle und institutionelle Rassismen reproduziert, der Menschen in Lagern unterbringt, der geflüchtete Kinder gesondert beschult – und der jetzt Menschen ehrt, die sich dagegen einsetzen.

Seine Empfehlung:

Hört doch einfach damit auf, Flucht zu illegalisieren und Geflüchtete zu kriminalisieren. Wenn ihr wirklich eure europäischen Werte leben würdet, bräuchten wir solche Ehrungen nicht.

Er hat recht, die CDU in Sachsen ist nur ein kleines Hindernis, es braucht gesamtgesellschaftliche Veränderungen. Aber vielleicht sind solche Preise nur jetzt ein bisschen seltsam, vielleicht zeigen sie in eine neue Richtung? Wir können gemeinsam dafür sorgen, dass sie keine Feigenblätter, sondern Wegmarkierungen werden.

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