Kampagne Bring Back Our Neighbours Gemeinsam Solidarisch gegen die sächsische Abschiebepolitik

UPDATE FEBRUAR 2022

Der Runde Tisch aus Pirna entwickelt sich zu einem sachsenweiten Bündnis. Wir starten eine Kampagne gegen die sächsische Abschiebepolitik. Wir fordern eine Wende hin zum Bleiberecht statt Abschiebung um jeden Preis. Denn auch wenn Familie Imerlishvili wieder hier ist, brutale Abschiebungen aus Sachsen gehen weiter, wir nehmen das nicht länger hin!

Nach Diskussionen: Abschiebungen nur tagsüber: https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/leitfaden-abschiebung-migranten-tagsueber-100.html

7 jähriger auf dem Weg zum Hort abgeholt: https://www.saechsischer-fluechtlingsrat.de/de/2021/11/30/pm-abschiebung-aus-grundschule-7-jaehriger-ahmad-t-wird-in-delitzsch-von-polizei-abgeholt-mutter-des-sohnes-durch-gewalt-von-ex-mann-bedroht/

Familientrennung in Kamenz: https://www.saechsischer-fluechtlingsrat.de/de/2021/12/13/pm-erneute-familientrennung-bei-abschiebung-vater-wird-nach-tschetschenien-abgeschoben-hochschwangere-ehefrau-bleibt-mit-zwei-kindern-alleine-zurueck/

Abschiebung aus Köngistein scheitert wegen überbuchtem Flieger (das ist übrigens auch kein Einzelfall!):  https://www.saechsischer-fluechtlingsrat.de/de/2021/12/23/trotz-epileptischem-anfall-androhung-von-familientrennung-waehrend-abschiebung-in-koenigstein/

Darum: Wenn euch Abschiebungen bekannt werden, meldet diese bitte an den Sächsischen Flüchtlingsrat, der eine Dokumentation gestartet hat: deportationwatch.sfrev.de

Kampagnenkoordinator:in gesucht!

Für die Kampagne suchen wir noch eine Person, die den Orga-Kreis des Bündnisses bei der Koordination mit unterstützt. Bewerbung bis 20.Februar. Alle Infos hier >>

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UPDATE NOVEMBER 2021

Unser Engagement wurde am 08.11.2021 mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie ausgezeichnet. Wir wollen das Preisgeld unter anderem dazu nutzen, weiter gemeinsam mit unseren Partner:innen in einem breiten Bündnis gegen die sächsische Abschiebepolitik zu kämpfen. Familie Imerlishvili war kein Einzelfall – wir wollen, dass ihre Rückkehr nur eine von vielen sein wird.

Familie Imerlishvili hat nach wie vor keinen sicheren Aufenthaltstitel, sie haben noch die Duldung. Wir gehen von einem guten Ausgang aus, aber bleiben natürlich dran!

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UPDATE SEPTEMBER 2021

Nach dem Beschluss des OVG wurden die Nachbar:innen wieder schnellstens aktiv und haben innerhalb kürzester Zeit die Familie zurück nach Pirna geholt! Wir sind alle überglücklich!

Die Familie hat sich mittlerweile wieder eingelebt in Schule, Beruf und Alltag. Ihr Aufenthalt ist noch nicht sicher, aber da bleiben wir dran! Am 02.11.2021 wird es dazu einen zweiten Runden Tisch in Pirna zur Sächsischen Abschiebepolitik geben. Außerdem werden wir in einem Workhsop auf der Asylinitativenkonferenz am 06.11.21 dazu diskutieren.

Und wir sind solidarisch mit der Familie P. aus Meißen, die ein ganz ähnliches Schicksal teilt und unterstützen die Petition, die ebenfalls ihre Rückkehr fordert. Macht mit!

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WICHTIGER ERFOLG: Am 13.08.2021 hat das OVG im Eilverfahren entschieden, dass die Abschiebung rechtswidrig war und Sachsen die Familie zurückholen muss! Das hat jetzt auch schnellstmöglich noch in den Sommerferien zu geschehen! Am 17.08.2021 treffen sich daher Unterstützende zur Rückholung und weiteren Unterstützung der Familie zu einem Runden Tisch in Pirna. Wir fordern eine Wende in der Sächsischen Abschiebepolitik und eine Bleiberechtsoffensive

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Wir sind fassungslos und wir sind wütend und wir machen das nicht mehr mit!

Familie I. gehört zu uns und gehört nach Pirna. Hier ist ihr zuhause.

Diese Abschiebung war unnötig, sie war rechtswidrig und sie war brutal.

Wir werden alles dafür tun, dass die Familie bald wieder bei uns sein kann.

Was ist passiert?

Heute Morgen (10.06.2021) ab 01:00 Uhr in der Nacht wurde Familie I. unangekündigt aus ihrer Wohnung in der Rosa-Luxemburg-Str. in Pirna nach Georgien abgeschoben.

Die Familie ist sowohl in der Hausgemeinschaft als auch in der Stadt Pirna hervorragend integriert. Dies belegt beispielsweise die ehrenamtliche Tätigkeit des Vaters Ilia bei der Tafel.

Die Eltern mit ihren 7 Kindern sind stets hilfsbereit, höflich und zuvorkommend, sprechen sehr gut deutsch und gehen nach Leibeskräften einer geregelten Arbeit nach.

5 der 7 Kinder (geboren zwischen 2010 und 2018) sind in Deutschland geboren, die beiden Ältesten waren noch Kleinkinder bei der Einreise 2013 und sollen jetzt in ein für sie völlig unbekanntes Land abgeschoben werden, in dem sie weder die Sprache sprechen, noch sonst irgendetwas haben.

Die Familie hat sich absolut nichts zu Schulden kommen lassen und nach allen Regeln gelebt, sich angepasst und integriert.

Heute nun erfolgte die unangekündigte Abschiebung, rechtswidrig mitten in der Nacht. Es gab keine Möglichkeit zu reagieren oder sich rechtlich zur Wehr zu setzen, da der Flieger nach Tiflis (A92780/TGZ2780) bereits am selben Tag um 12 Uhr startete. Inzwischen hat sich die Härtefallkommission eingeschaltet und sich 11:50 Uhr dafür ausgesprochen, die Abschiebung abzubrechen. Aufgrund der Kurzfristigkeit kam es aber nicht mehr dazu, so dass die Familie nun auf dem Weg nach Georgien ist.

Wir waren Augenzeug*innen einer dramatischen Abschiebung, die so aber wohl alltägliche Praxis in Sachsen ist. Abschiebung laufen meist im Verborgenen ab, wir aber wollen für Öffentlichkeit sorgen. Alle müssen erfahren, wie Sachsen Familien abschiebt.

Es gibt sogar eine Audioaufnahme von der Abschiebung und der in Tränen aufgelösten Tochter. TRIGGERWARNUNG!

Was fordern wir?

Sachsen hätte unsere Freund*innen niemals abschieben dürfen. Dieser Fehler muss wieder gut gemacht werden.

Die Familie soll zurück kommen.

Sie soll legal wieder einreisen können und hier den ihr zustehenden Aufenthaltstitel wegen nachhaltiger Integration bekommen.

Das Innenministerium und seine Behörden, die Zentrale Ausländeberhörde und die Ausländerbehörde in Pirna können das so verfügen.

Wir haben bereits eine andere, eigene Wohnung für sie. Die Eltern können ihre alten Jobs wieder aufnehmen und das Einkommen der Familie überwiegend selber sichern. Die Kinder können zurück in ihre Klassen.

Wir fordern außerdem eine Aufarbeitung der dramatischen Geschehnissen der Nacht zum 10. Juni 2021.

Es darf nicht sein, dass mitten in der Nacht Familien aus den Betten geholt werden und ihre ganze Existenz zerstört wird!